Luxemburg und die Europäische Union
Von der lucilinburhuc zur europäischen Hauptstadt
In 963 von Graf Siegfried gegründet, der sich in der Lucilinburhuc auf dem Bockfelsen niederließ, im Laufe der Jahre – unter anderem von Vauban – in eine Festung verwandelt, häufig belagert und mehrfach eingenommen, geriet Luxemburg mal unter die Herrscher der Österreicher, mal unter die der Burgunder, der Spanier, der Franzosen und der Preußen und musste so bereits in „jungen Jahren“ lernen, sich als „Bürger Europas“ zu verstehen.
Nachdem es durch den Willen der Großmächte auf dem Wiener Kongress von 1815 praktisch ohne eigenes Zutun ein selbstständiger Staat geworden war, hat das Großherzogtum eine eigene Identität entwickelt, auf die die Nation stolz ist („Mir welle bleiwen wat mir sin“ – Wir wollen bleiben was wir sind).
Gleichzeitig ist Luxemburg seinen europäischen Nachbarn gegenüber sehr aufgeschlossen, und lebt seit dem Zweiten Weltkrieg in dem Bewusstsein, wie wichtig eine Union zwischen den Ländern und Völkern Europas ist.
Luxemburg in der europäischen Union
Als Gründungsmitglied der Europäischen Gemeinschaft zusammen mit Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden hat Luxemburg gleich nach der Gründung der EGKS (der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl) die ersten europäischen Institutionen bei sich aufgenommen und konnte im Laufe von fast einem halben Jahrhundert seine eigenen Vorzüge und die der Gemeinschaft zur Geltung bringen, indem es im Herzen von Europa eine Vorbildfunktion übernahm als ein Land, das aufgrund seiner Größe stets mit seinen Nachbarn zusammenarbeiten musste und auch konnte. Wenn für einen Bürger, der mitten in einem großen Land lebt, das Überqueren einer Grenze gleichbedeutend ist mit „Reisen“, so gilt das schon lange nicht mehr für die Luxemburger, für die Lothringen, die belgische Provinz Luxemburg und Rheinland-Pfalz häufige, wenn nicht gar tägliche Ziele sind. Nicht uninteressant ist vielleicht auch, dass mehrere Vorväter und Gründungsväter des Europas der ersten Stunde in Grenzgebieten lebten und sich so die Vorzüge eines Europas ohne Grenzen und Zollschranken ausmalen konnten.
So war Robert Schuman von Geburt an ein „wahrer Europäer“, nach seinem Geburtsort und von mütterlicher Seite Luxemburger, von väterlicher Seite Franzose (oder vielmehr Lothringer). Seine erste Kinderjahre verbrachte er in Clausen, einem Stadtviertel Luxemburgs. Erst nach dem Ersten Weltkrieg zog er in sein zweites Heimatland, nach Frankreich.
Nachdem es 1952 zunächst mehr oder weniger zufällig provisorischer Sitz der europäischen Institutionen geworden war, wurde Luxemburg – wie Brüssel und Strassburg – als Sitz mehrerer europäischer Institutionen ausgewählt.
Als Unterzeichnerstaat der Verträge von Paris, Rom, Maastricht und Amsterdam hat Luxemburg an der wirtschaftlichen Entwicklung einer Gemeinde teilgenommen, deren ursprüngliches Ziel es war, durch die Gründung einer Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die die Produktion der Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Kriegsmaterial kontrollieren konnte, bewaffnete Konflikte zu verhindern. So konnten in mehr als 50 Jahren des Friedens und des friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens die Bürger von immer mehr Ländern einander kennen- und schätzen lernen. Ein gemeinsamer Markt konnte entstehen, mit dem Europa den anderen Wirtschaftsmächten seine Fähigkeiten beweisen konnte.
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